DAS SYSTEM
  Was macht ein Gebäude zu einem Passivhaus?
  Der entscheidende Grundansatz bei der Erstellung eines oder beim Umbau eines Gebäudes zu einem Passivhaus ist die Herstellung einer luftdichten Gebäudehülle. Es ist auf einen einfachen Nenner zu bringen: Keine luftdichte Gebäudehülle - kein Passivhaus. Im so genannten BlowerDoor-Messverfahren wird die Luftdichtigkeit durch Erzeugung eines Unterdruckes im Gebäude nachgewiesen. Sind Undichtigkeiten vorhanden (was nicht wirklich gut ist und auf Baumängel grundsätzlicher Art hinweist), können diese mit geeigneten Raucherzeugern („Räucherstäbchen“) lokalisiert und dann beseitigt werden. Dies schließt einige immer noch am Bau verwendete Hilfsstoffe und Verfahren von vorn herein als für den Passivhausbau nicht geeignet aus. Bisher (seit 2005) hat jedes das anspruchsvolle Prüfverfahren ohne jede Beanstandung durchlaufen.
 
  Weiter gehört zu einem Passivhaus zwingend eine Be- und Entlüftungsanlage unter Einbindung eines Wärmerückgewinnungsaggregats. Je nach Auslegung der Gesamtanlage sind Wärmerückgewinnungsraten von 75 – 93 % aus der Abwärme möglich (Anm.: Einfachstgeräte errei-chen ca. 50%). Bewohner eines Passivhauses atmen frische, saubere Luft – immer. Aus diesem Grunde gehören bei Passivhäusern auch die oft bei anderen Gebäudearten auftretenden gesundheitsschädigenden Schimmelbildungen absolut der Vergangenheiten an.
 
  Wie weit alleine schon diese Maßnahmen führen, mag eine Anekdote zeigen, die wir selbst vor einigen Jahren an einer unserer ersten Pas-sivhaus-Baumaßnahmen ungewollt erleben mussten. Weil bei einem Doppelhaus die eine Haushälfte im Herbst bezugsfertig, die zweite aber erst im folgenden Frühjahr errichtet wurde, war die Haustrennwand bei dem zunächst fertig gestellten Haus über die Wintermonate wärme-technisch ungeschützt. Auf die verständlich bange Nachfrage des Eigentümers wegen der ungeschützten Wand, hatte unser Projektleiter spaßeshalber bemerkt, man möge ggf. 10 Kerzen (Anm.: zusätzlich zur eingebauten 0,7 kWh-Heizung) aufstellen, dies würde für den Aus-gleich der Kältebrücke (Anm.: eine gesamte Giebelwand) ausreichen. Als unsere Kunden aus ihrem Weihnachtsurlaub zurückkehrten, war das Gebäude ausgekühlt. Sich an die Aussage erinnernd, stellten sie nun tatsächlich 10 Kerzen auf und zwei Stunden später war das Gebäude behaglich warm.. So berichteten uns unsere zufriedenen Kunden.
 
  Soweit dieser kurze Erfahrungsbericht zur ungewollten Überprüfung der Leistungsfähigkeit eines Passivhauses. Was war passiert? Durch die Gebäudedichtigkeit ging keine Energie mehr durch direkten Austausch verloren und damit war der größte Verlustbringer ausgeschlossen. Sämtliche Wärmeenergie aus aktiver Beheizung, Beleuchtungs- und Geräteabwärme, Körperwärme, Sonneneinstrahlung etc. wurde im Sys-tem recycelt und erwärmte dabei die frische Zuluft. Durch das Verteilnetz innerhalb des Passivhauses wurde die frische Warmluft dann in alle Räume verteilt. Es wurde warm. Und was an Dämmung fehlte, ersetzten 10 Kerzen.
 
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